Unterwegs mit Leonie & Heinz Frese

 

Freies autonomes Gebiet Wendland - Skeptisch hin, strahlend zurück    

      

 

Ostern 18.4.-21.4.2014

 

 

 

 

Dieses Jahr ist Ostern spät gelegen. Ich hatte von Wanderreiten im Wendland gelesen. Ob es dort wohl viel zu sehen gibt?  Im Grenzgebiet zu Mecklenburg Vorpommern und Brandenburg, die hinter der Elbe liegen und auch Sachsen Anhalt im südlichen Bereich, ist das Wendland, Niedersachsens östlichstes Gebiet.

 

Karfreitagmorgen starten wir - Heinz und ich - unsere Reise. Doch schon vor Hannover verlassen wir die Autobahn wegen Dauerstau. Wir schlagen die Strecke Richtung Gifhorn ein, wo die so genannte Spargelstraße entlangläuft. Interessanterweise Weise sehen wir alle paar Kilometer an den Seitenstraßen alte Wohnmobile mit roten Blinklichtern.  Aha, offensichtlich Rotlichtmilieu auch tagsüber auf Kundenfang. Wir fahren an einem schönen Mühlenmuseum vorbei und bald erreichen wir Salzwedel, die Kreisstadt der Altmark. Unser Ziel ist jedoch Prezelle,  zugehörig zum Landkreis Lüchow Dannenberg.

 

 

 

Weiter gehts auf ruhigen Wegen, die immer wieder auf einen Galopp einladen. An einer Wiese pausieren wir und entdecken eine Kuhtränke, die mit Pumpfunktion ausgestattet ist. Kräfig gepumpt und erfolgreich die Pferde getränkt.

 

Der Wald wird lichter und Feldwege führen nach Höhbeck und der Schwedenschanze mit Elbeblick. Hier ist es hügelig. Der Wind ist angenehm. Es ist schönes Wetter.

 

 

 

 

Wir reiten hinunter zum Elbedeich. Dahinter gibt’s einen Reitweg bis zum Elbholz, einem Altholzareal, welches heute ein Vogelschutzgebiet ist.

 

 

Auf dem Nachhauseweg überqueren wir die Seebrücke in Gartow und erreichen hinter dem Schloß einen schönen Rastplatz für Pferd und Reiter.

 

 


Ostern. Puh, gestern war es doch sehr, sehr lang geworden. Heute mal etwas zur Entspannung: Einen Ritt zum Arendsee in SachsenAnhalt. Dort findet in Ziemendorf  im Sommer ein großes VFD Lager statt. Unser eigentliches Ziel ist jedoch der See mit Pferdebadestelle.

 

 

Nichts zu sehen im Wendland ??  Schon einiges gesehen und entdeckt – und noch so vieles für ein anderes Mal übriggelassen.

 

Skeptisch gestartet - strahlend angekommen.

 

Und wenn sie nicht gestorben sind,

... dann reiten sie noch heute.

Heinz & Leonie

Prezelle ist ein typisches Rundlingsdorf, das heißt die Dorfstraße ist ringförmig angeordnet. Mittig liegt die große Wiese  mit alten Eichen und einem Löschteich. Sternförmig ordnen sich die alten großen Fachwerkhäuser um die Dorfstraße. Oft haben diese Orte komische Namen  slawischer Herkunft, wie Großwiewietze.

 

Endlich unser Ziel erreicht. Die Pferde rasch gesattelt und noch in die Niemitzer Heide geritten, die nahebei ist. Nach einem Brand im Jahre 1976 entstand diese recht junge Heide, wo viele seltene Vögel brüten. Die Wege fantastisch - leicht sandig und zum Teil grasbewachsen. Ein dicker Hagelschauer beendet unseren Ausritt. Aprilwetter eben.

 

Zum Glück haben wir eine Ferienwohnung in der die Heizung gut funktioniert. Nach Absprache ist der Kühlschrank nach unseren Wünschen gut befüllt und einen selbstgebackenen Hefekranz bekommen wir auch noch. Aber es kommt noch besser. Wir werden vom Gastgeber mit vegetarischer Lasagne sowie Nachtisch beliefert.


Am nächsten Tag sind wir zeitig unterwegs. Im Gartower Wald  gibt es nummerierte Reitstrecken. Die Wege sind einsam, lang, perfekt naturbelassen. So erreichen  das Dörfchen Wirl einsam im Wald, nahe der ehemaligen DDR Zonengrenze. Dort wurde damals ein Republikflüchtling von Grenzsoldaten erschossen. Ein Reitweg führt entlang dieser Grenze, heute Grünes Band genannt. Der zweispurige Weg aus betonierten Platten führt nach Norden. Auf der mittigen Grasnarbe kann man reiten.

 

Wir wollen viel sehen und versuchen möglichst schöne Ziele zu erreichen, da sich die Reitstrecken teilweise überschneiden. Dieser Wald ist der größte Wald Norddeutschlands in Privatbesitz. Gartow  selbst ist ein Städtchen mittendrin mit Schloß, Kirche, Reitanlage, See und echt idyllisch. Wir erreichen einen Trimm-dich-Pfad für Pferd und Reiter, vergleichbar einem Naturtrail sowie eine Dünenachterbahn als Reitparcours. Ich weiß nicht, ob es so etwas woanders ebenfalls  mitten im Wald gibt.

 

 

 

Eine alte Eichenallee führt durch riesige Wiesengebiete. Wir sind nun schon unendliche Kilometer geritten und gelaufen.

 

 

 

 

Eine Holzhütte, feste Paddocks und einen Waldreitplatz mit Hindernisstrecke.

 

Den ganzen Tag haben wir keine Reiter getroffen, doch hier ist Betrieb. Sogar ein Kutschfahrer führt uns stolz seinen schönen Kaltblüter vor, den er ohne Leinen  nur mit der Stimme vor, zurück, rechts und links lenken kann. Dafür mußte er nur die polnischen Wörter lernen. Wirklich sehr harmonisch.

Wir waren den ganzen Tag unterwegs und wirklich kaputt. Angekommen durften die Pferde auf der Gastkoppel grasen und wir bekamen wieder unser Essen in unsere FeWo gebracht. Sehr lecker und sehr viel. Einfach perfekt.

 


An dem Ufer läßt der starke Wind die Wellen klatschen. Die Pferde haben Durst, jedoch auch Respekt.  Nachdem sich meine Stute ins Wasser traut, marschiert Haflinger Falko hinterher. Hoffentlich erschreckt sich mein Pferd nicht vor den Vögeln, die im Schilf flattern, so  dass ich noch ins Wasser plumpse. Doch wie meistens: Glück gehabt!

 

Nahebei ist eine Fischgaststätte, gut besucht, wo wir im Biergarten Pause machen, essen und trinken.

 

Nun reiten wir wieder Kilometer für Kilometer entlang des grünen Bandes. Die Sonne scheint stark. Die Wege sind lang. Nach einiger Zeit zieht die Stute zielstrebig  Richtung Westen. Ortung perfekt. Den Kompaß hätte ich auch zuhause lassen können.

 


Ostermontag. Der Abreisetag. Nachts und morgens hat es kräftig geschauert. Eben typisch Aprilwetter. Wir sind in den letzten Tagen so viele Stunden mit den Pferden unterwegs gewesen, dass wir beschließen, die Tiere in den Graspaddocks zu lassen.

 

Mit dem Auto fahren wir Richtung Gorleben zum Atommülllager. Mitten im Wald steht eine Hütte, Plakate und die Beluga, ein größeres Greenpeace Schiff. In den Orten, an den Häusern, an den Bäumen sieht man gelbe quer stehende Kreuze, mit der Bedeutung  X mal NEIN,  X mal dagegen. Atomkraft — wer will die Verantwortung tragen?

 

 

 

 

12. Mai 2016, Autor: Leonie Frese, Red.: G. Eichenberger